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Ausstellung zur „Aktion T4“

gezeigt im Sommer 1987 zur Erinnerung
an die Opfer der „Euthanasie“-Morde
 

Die Ausstellung wurde am 1. September 1987 in einem ausrangierten und umgebauten Doppelstockbus der Berliner Verkehrsbetriebe eröffnet und mehrere Wochen auf dem Gelände des einstigen Verwaltungssitzes der „Aktion T4“ gezeigt. Sie erinnerte an etwa 200.000 Ermordete, die dieser „Aktion“ zwischen 1939 und 1945 zum Opfer fielen.

Ihre Entstehung verdankte die Ausstellung der gemeinsamen Initiative von Mumin Petzold, Bernard Müller, Wolfgang Endler, Anne von Törne, Dagmar von Doetinchem-Hartung, Marianne Hühn (Ronzheimer) und Götz Aly. Finanziell unterstützten das Projekt die Berliner Geschichtswerkstatt, die Ärztekammer Berlin, die Alternative Liste, die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, die Humanistische Union, die Aktion Sühnezeichen und die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes. Zu der Ausstellung erschien seinerzeit der Begleitband „Aktion T4 1939 – 1945. Die „Euthanasie“-Zentrale in der Tiergartenstraße 4“, herausgegeben von G. Aly, Edition Hentrich, Berlin 1987.

Bis 1987 erinnerte nichts daran, dass an der Bus-Endhaltestelle vor der Berliner Philharmonie ein Gebäude stand, in dem fünf Jahre lang die halbstaatliche Behörde „Zentraldienststelle T4“ arbeitete, die den Massenmord an geisteskranken, psychiatrisierten und behinderten Menschen betrieb. Deshalb schlugen die Initiatoren der Ausstellung einen Gedenkstein mit folgendem, von Klaus Hartung und Götz Aly ausgearbeitetem Text vor:


Ehre den vergessenen Opfern

An dieser Stelle, in der Tiergartenstraße 4, wurde ab 1940 der erste national-sozialistische Massenmord organisiert, genannt nach dieser Adresse „Aktion T4“. Von 1939 bis 1945 wurden fast 200 000 wehrlose Menschen umgebracht. Ihr Leben wurde als lebensunwert bezeichnet, ihre Ermordung hieß „Euthanasie“. Sie starben in den Gaskammern von Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar, sie starben durch Exekutionskommandos, durch geplanten Hunger und Gift. Die Täter waren Wissenschaftler, Ärzte, Pfleger, Angehörige der Justiz, der Polizei, der Gesundheits- und Arbeitsverwaltungen. Die Opfer waren arm, verzweifelt, aufsässig oder hilfsbedürftig. Sie kamen aus psychiatrischen Kliniken und Kinderkrankenhäusern, aus Altenheimen und Fürsorgeanstalten, aus Lazaretten und Lagern. Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl der verurteilten Täter.

Eine drei mal drei Meter große Bronzetafel mit diesem Text, gestaltet von Volker Bartsch, wurde am 1. September 1989 in den Boden vor der Philharmonie eingelassen. Das geschah im Auftrag des Bezirksamts Tiergarten und des Senats von Berlin. Die kurz zuvor aufgestellte Plastik „Berlin Junction“, geschaffen von Richard Serra, wurde in das Mahnmal einbezogen und mit Zustimmung des Künstlers den Opfern der „Euthanasie“-Morde gewidmet.